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Sonntag morgens – 7 Uhr – Thailand

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Sonntag morgens – 7 Uhr – Thailand. Was macht man da eigentlich?

Die Thais sind Frühaufsteher und dürften um diese Zeit bereits tagaktiv sein, was ich zu unserem Leid bestätigen kann. Dazu später. Die Farangs gehören zur nachtaktiven Spezies sind in ihrer überwiegenden Mehrheit Langschläfer und dürften insbesondere an einem Sonntag so früh morgens noch schlafen. Und damit ist das Grundproblem schon benannt!

Hinzu kommt, das Thailand kein christliches Land ist und also der Sonntag noch nie und bis heute keinerlei Wertschätzung genießt und für die allermeisten Thais ein Tag wie jeder andere ist. Die Einteilung von Montag bis Sonntag hat man halt irgendwann übernommen, aber eben nur äußerlich und formal, nicht der inhaltlichen Bedeutung nach. Auch das haben wir leidvoll erfahren heute Morgen. Dazu später.

Die meisten Thais dürften deshalb auch sonntags arbeiten, denn alle Läden, Shopping Malls, Einkaufzentren auf der ehemals grünen Wiese, viele Märkte und selbst in vielen Büros wird gearbeitet. Nur der öffentliche Sektor, die Verwaltung, Schulen und Kindergärten haben merkwürdigerweise eine 5-Tage-Woche. Die Beamtenschaft bringt also auch in Thailand einige Vorteile mit sich.Dennoch, die meisten anderen arbeiten auch Sonntags wie selbstverständlich. Vor allem wenn es um Dienstleistungen geht, dazu gehören sämtlich Teile der Gastronomie, Vermietungsbüros, Reisebüros, Auto-Vermieter, Immobilien-Makler und selbst Rechtsanwälte, wie ich bei uns jeden Sonntag sehe.

Jedenfalls wurden wir heute morgen und nicht nur wir, sondern praktisch die gesamte Wohnanlage durch einen barbarischen Akt der Zerstörung unwiderruflich um kurz nach 7 Uhr geweckt. An ein Weiterschlafen und ignorieren des Lärms war nicht zu denken. Wir haben es zunächst versucht, doch das Gekreische und das Aufheulen von Motoren war einfach zu laut. Übrigens schläft unser Sohn oft bis gegen 8 Uhr oder er beschäftigt sich alleine, wird er früher wach. Wir hätten also noch schlafen können.

Was war geschehen? Ein ausgewachsener Bagger und ein Trupp Helfer mit Motorsägen plus Frauen und kleinen Kindern machte sich um diese Zeit und für die nächsten Stunden direkt an der Grenze zu einem riesigen grünen und feuchten Nachbargrundstück daran, die einzigen verbliebenen Bäume des ganzen Areals nieder zu machen. Diese Bäume an der Grenze spendeten zumindest a) Schatten, auch auf unserem Grundstück und b) gaben sie der ansonsten hässlichen Anlage und Umgebung einen gewissen grünen Touch und damit etwa Schönes. Und wie wir bald merkten, verwehrten uns c) die Bäume bisher einen Großteil des Blickes auf eine illegale Mülldeponie an der Straße dahinter.

Wir waren jedenfalls entsetzt und bedient, ob dieses Frevels. Man fragte sich, soll das Grundstück dahinter jetzt auch mit Condos bebaut werden? Denn in diesem nicht mehr intakten Grün- und Seengürtel sind schon ein paar kleinere Siedlungen entstanden. Das meiste ist noch (!) frei und wird jeden Tag mit illegalen Müll-Lieferungen, gerne auch an die Ränder der Seen, zu einer Kloake und kaputten Landschaft gemacht. Hinzu kommen abgestellte Alt-Autos und die Thais, die hier jeden Tag intensiv fischen und sich teilweise in primitiven Behausungen nieder gelassen haben. Sie haben dort ein schönes, freies Leben in der Natur, allerdings direkt neben bzw. auf einer Mülldeponie und umgeben von Bauschutt, Plastik, ausrangierten Möbeln etc. und sicherlich mittlerweile verseuchtem Wasser.

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Der Bagger arbeitet sich unaufhaltsam weiter vor und erledigt die grobe Arbeit des Entwurzelns der Bäume.

 

(Die Fotos zum Vergrößern einfach nur anklicken.)

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 Auf dem enormen Grundstück dahinter sind zwar auch schon lange alle Bäume gefällt, aber es ist dennoch ein Kleinod und schwieriger zu bebauen, da ein Feuchtgebiet, das jeden Tag Wasser aus anderen Grundstücken aufnimmt.

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 Hier wurde bereits ein beträchtlicher Teil gerodet, der Rest kommt auch noch dran.

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Und hier sind bereits alle Bäume gerodet. Die zweite Phase, die Bäume zu zersägen, läuft parallel dazu.

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Familien-Sonntag beim Baumfällen. Während der eine mit dem Bagger voran ging, waren andere dabei, mit der Kettensäge die Bäume zu zerlegen.

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 Frau und Kinder haben es sich bequem gemacht. Einer sägt, zwei räumen die zersägten Teile zur Seite.

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 Andere holten später das Holz ab, am späten Nachmittag sah es leer geräumt so aus. Drei Bäume wurden stehen gelassen, warum auch immer.

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Nach dem Fall der Bäume wird allmählich der Blick auf die dahinter liegende Straße mit der illegalen Müllkippe an den Seiten frei.

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Was von weit oben noch klein aussieht, entpuppt sich bei einem Gang auf die Durchgangsstraße als eine Mülldeponie größeren Ausmaßes.

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Auch nach unseren Beobachtungen wird hier fast jeden Tag Müll abgeladen. Sehr viel Bauschutt, aber auch alles erdenklich andere. Und es kommen auch jeden Tag Müllfledderer, die hier noch das eine oder andere finden und wieder mitnehmen.

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 Und hier strömt Wasser aus dem nebenstehenden Wald- mit Müll-Grundstück auf das Grundstück mit den gerodeten Bäumen, das damit komplett unter Wasser steht.

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Und auch „Buddha-Bedarf“ wie ich sage, wird irgendwann ausrangiert und auf den Müll geworfen. Und so finden sich viele, teilweise noch brauchbare „Geisterhäuschen“ dort. Unser Sohn hat zufällig das passende T-Shirt-Motiv mit einem Totenkopf an, das die absurde Situation wieder spiegelt.
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Gegenüber auf dem (Noch-)Waldgrundstück haben sich hier und da Menschen unter Plastikplanen und in einfachsten Behausungen angesiedelt. Ebenfalls Müllfledderer, die im angelandeten Müll nach etwas Verwertbarem suchen, in der Hoffnung damit ein paar Baht zu erlösen.

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Doch die Idylle täuscht. Überall wo eine Zuwegung ist, wird auch im Wald ständig Müll gebracht und abgeladen und Bäche und Gräben werden allmählich zu geschüttet.

Falls der Eindruck entstanden sein sollte, dass es sich hier um eine eher seltene Ausnahme handele, dann ist das leider nicht richtig. Die gezeigte illegale Vermüllung der Landschaft an dieser Stelle ist nur eine von vielen ähnlichen Orten allein in Jomtien und ich darf sagen nach meinen Reisen ins flache Land, es ist nur eine von Millionen. Denn nur gut 100 Meter vor der gezeigten Müllstraße befindet sich eine bereits mehrere Meter hohe Deponie die fast täglich mit Lkw-Ladungen Müll weiter aufgefüllt wird. Diese grenzt direkt an ein exklusives Condo-Neubau-Projekt und liegt vis-a-vis dem Pattaya-Blick der älteren Condo-Anlage dahinter. In den Hochglanz-Prospekten für eine solvente Kundschaft ist vom Müll neben der neuen Protz-Residenz selbstverständlich keine Rede.

Schau hier:

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Autor: Paul

Ich bin Paul und im Sommer 2013 bin mit meiner Familie erst einmal zur Probe nach Süd-Ost-Asien, nach Thailand, ausgewandert. Wir haben uns seinerzeit nicht festgelegt, in welcher Region, welcher Gegend, welcher Stadt wir länger oder für immer bleiben wollen. Wir erkundeten uns und unser Leben hier und wir erkundeten auch die Gegenden und die Menschen vor Ort. Inzwischen leben meine Frau und unser Sohn vor allem auch wegen der Schule wieder in Deutschland. Ich pendle zwischen beiden Welten. Unser Weg ist damit jedoch noch nicht beendet. Deshalb, mach mit und folge mir auf meinem Weg in Süd-Ost-Asien.

1 Kommentar

  1. Das Problem mit den Sonntagsarbeiten auf Baustellen kennen wir auch im Osten von Thailand in der Gegend von Trat, wo wir leben. Das ist halt so hier. Es gibt nie Ruhe und es ist immer irgendwo krach, selbst auf dem Land. Und dass die Thais am liebsten alle Bäume abhacken und sie verarbeiten, meistens nur für Holzkohle verbrennen, ist leider auch bekannt. Aber es ist ärgerlich, da das Land nur noch geringe Baumbestände hat. Hier in der GEgend gibt es noch viel Wald, aber weiter nördlich nur kahle Flächen mit Reisfeldern bis nach Nordthailand hin.

    Ja, und der Müll, das ist wirklich ein scheußlcihes Thema. Aber die Thais interessieren sich dafür anscheinend nicht. Bei der geringen Schulbildung, die fast alle haben, vielleicht auch kein Wunder. Noch nie was von Umweltschutz und gehört, könnten damit nicht mal was anfangen. Und das weggeworfene Plastik und anderer Müll für Gewässer und den Boden viele schleche Folgen hat, davon wissen sie nichts und vor allem, sie wollen davon auch nichts wissen. Ist ihnen zu schwer so was, kein Sanuk, lieber essen, reden und vor allem trinken. Alles sonst ist egal.

    Ich möchte nicht wissen, wie das hier aussieht, wenn das noch weitere 20 Jahre so weider geht.

    War interessant das mal zu lesen, auch sonst interessante Sachen dabei auf deinen Seiten.

    Grüße aus dem Osten, Franz

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