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Heute Farang-Food gekauft, 2. Teil

Farang-Food, 9.9.13

Dienstag, der 10. September 2013……

Heute Farang-Food gekauft! Der 2. Teil

Wir haben also im Friendship-Supermarket eingekauft, dazu weiter unten mehr. Erst einmal Anmerkungen zu meinen Essgewohnheiten und zu denen der Thais:

„So habe ich jetzt erst einmal für mich einen Kompromiss festgelegt, ich frühstücke mit Fabian zusammen nach deutscher Art. Und die anderen Mahlzeiten des Tages sind dann Thai-Mahlzeiten. Für mich heißt das morgens Müsli, das es hier in den Farang-Läden auch gibt, aber deutlich teurer ist, als in D. Vermischt mit viel Obst. Bislang noch eher Farang-Obst wie Äpfel oder Trauben, was hier oft enorm teuer ist. Und dann wie Fabi auch, noch ein oder zwei Scheiben Brot mit Käse oder Salami. Von Frischkäse oder Camembert, noch dazu in der Vielfalt wie in D. kann man hier nur träumen.

Die Thais haben ja nicht so starre Mahlzeiten wie wir, sie essen den ganzen Tag über und auch noch in der Nacht. Eigentlich essen sie 24 Stunden. Zumindest in den Städten, wo es oft Night Markets gibt. Auf den Dörfern eher nicht, da fehlt es am Angebot. Aber bei den vielen Garküchen in den Straßen, den Garküchen auf Rädern, den vielen kleinen Imbiss-Läden und Restaurants hat man den Eindruck, dass der Lebenssinn der Thais im Essen besteht. Und das Wort „Restaurant“ benutze ich für Läden, in denen hier Gerichte zubereitet und angeboten werden, ungern. Denn darunter stellt man sich in Deutschland meistens eine gepflegte Einrichtung vor, wo auch das Ambiente und die Lage des Geschäfts eine wichtige Rolle bei der Auswahl durch den Gast spielt.

Hier würde ich die meisten kleinen Restaurants eher als Ess-Gaststätten auf einem sehr einfachen, oft auch primitiven Niveau, bezeichnen. Natürlich zur Straße hin immer alles offen, mit uralten Ventilatoren und ohne AirCondition, mit ebenso altem und einfachem Mobilar und in einem Raum, der oft schon seit vielen Jahren, oft eher seit Jahrzehnten keinen Anstrich und keine Renovierung erlebt hat. Die Tische (oft Plastik) sind manchmal wackelig, die Stühle fast immer auch Plastik, die Plastik-Tischdecken sind tausend mal abgewischt und entsprechend abgenutzt und die Speisekarten sind ebenso abgegrabbelt. Natürlich laufen ein oder mehrere alte Fernseher oder auch schon neue Flachbildschirme mit irgend einem witzig-nervigen Thai-Programm ununterbrochen.

Jetzt zu unserem gestrigen Einkauf: Auf dem Foto ist alles was ich geschleppt habe. Hat zusammen 1.434 Baht gekostet, hinzu kommen noch 50 Baht für die beiden kleinen Brote, 20 Baht für die Ananas-Stücke und 80 Baht Taxi-Kosten hin und zurück, also zusammen 1.584 Baht. Das sind nach heutigem Wechselkurs ca. 37,42 Euro. Ob das viel oder wenig ist für die gezeigten Sachen, mag jeder selbst beurteilen. Nach deutschen Maßstäben wäre es sicherlich ziemlich teuer. Würde ich ähnliche Sache von eher einfacher Qualität bei Aldi etc. in Deutschland kaufen, käme ich wahrscheinlich mit deutlich weniger als der Hälfte hin.

Der Hauptposten ist der Käse, ein sog. Prozess-Käse für 645 Baht und das ist verglichem mit gleichwertigen anderem Käse dieser Machart, enorm billig. Es sind 15,23 € für ca. 2,16 kg. Also 7,06 €/kg. Verrrückt ist, dass mir dieser Käse, vor allem in der Cheddar-Machart, auch noch schmeckt. Unserem Sohn geht es genau so. Es dürften etliche Zusätze wie auch Geschmacksverstärker drin sein, die dafür verantwortlich sind.

Teuer war auch die Spray-Schlagsahne mit dem formschönen, langen Löffel als Zugabe dran. Das wollte Fabi unbedingt haben. Kostet 164 Baht und damit 3,87 €. Eigentlich rausgeschmissenes Geld, sowas braucht man hier wirklich nicht. Wird nicht wieder gekauft. Fertig.

Vielleicht etwas billiger als in Deutschland waren die beiden Brote erstaunlicherweise, ist normal hier auch alles deutlich teurer. Aber wir haben einen Straßenverkaufsstand bei uns gefunden, wo ein Minibrot, größer als ein Baguette-Brötchen und ganz frisch, 25 Baht kostet. Also ca. 62 Cent.

Die Margarine fällt mit 84 Baht und 1,98 € teuer aus. Butter ist hier keineswegs billiger. Alle Milchprodukte, egal ob Milch selbst oder Käse jedweder Art, das sind alles Dinge, die Thais nicht (!) essen, ja nicht einmal kennen. Es wird aber zunehmend Werbung dafür geschaltet, um den Thais diese nicht lebensnotwendigen und sogar ungesunden Lebensmittel aufzuschwatzen. Noch ist der Erfolg sehr gering. In China soll die Deutsche Milchindustrie dagegen rasch steigende Absatzzahlen haben. Grundsätzlich gilt in Asien: Alles was aus dem Westen kommt, ist gut. Es wird ja auch in Thailand viel dafür geworben, wie man seine Haut weißer bekommt und in fast jeder Creme sind hohe Zusätze an Sonnenschutzmitteln oder sogar Hautaufheller enthalten. Das gilt auch für alle Nivea-Produkte die es hier reichlich gibt und für Thais eigentlich unglaublich teuer sind.

Aber wir Westler sind es nun einmal gewohnt, herzhafte Käseprodukte in vielfachen Variationen zu uns zu nehmen. Ebenso sind es die Thais gewohnt, weißen, geschälten Reis zu fast jeder Mahlzeit ihres Lebens und an jedem Tag ihres Lebens zu essen. Und der Reis ist auch nicht sonderlich gesund und lebenslänglich, egal was, wäre für mich immer eine Strafe. Auf Brot und Käse kann ich verzichten, aber bitte nicht lebenslänglich. Ich möchte die Wahlfreiheit behalten. Vermutlich macht Reis schnell satt und das dürfte der eigentliche und Hauptgrund für den täglichen Genuss in Asien sein. Ist also nichts Heiliges und als Westler überlebt ein Leben ohne Reis leicht un locker, aber eine Asiate würde daran zugrunde gehen.

Klar, es gibt auch echten Käse hier zu kaufen, meistens in kleinen Portionspackungen mit wenigen Scheiben oder in kleinen Stücken verpackt. Aber der ist erheblich teurer als der Prozess-Käse und auch als Käse in Deutschland ist. Und überzeugt mich qualitativ nicht.“

Übrigens hat dieser obige Bericht in einem anderen Forum, wo viele in Thailand lebenden Expats mitlesen, eine erhebliches kontroverses, ja teilweise wütendes Echo hervor gerufen. Einige meinen, wir würden eine Art Luxusleben hier führen, und ich hätte keine Ahnung vom echten Leben hier (haben nur die langj. Expats natürlich). Manche schreiben, dass sie in der Woche mit 2500 Baht (62,50 €) für das gesamte Essen für zwei Personen hinkommen. Und nicht etwa zu Hause zubereitet, sondern jeden Tag drei Mal Essen gehen, sieben Tage in der Woche. Das sind dann rund 59 Baht pro Essen, also umgerechent etwas weniger als 1,50 € oder 4,50 € pro Tag und Person. Geht das, ist das möglich? Na klar ist das möglich, so leben die meisten Thais ja auch. Aber das heißt auch 100%ige Anpassung an den Lebensstil der einfachen Leute. Und ich kenne ja viele Thais in Deutschland. Die Mehrheit passt sich in ihrer Essenskultur nicht einmal zu 10 oder 20 % an die westliche Essenskultur an. Warum auch, man bekommt ja alle asiatischen Lebensmittel vor Ort und der deutsche Partner ist meistens tolerant. Manche sagen dazu allerdings auch mit einem plattdeutschen Sprichwort „Wat de Bur nich kennt, dat frett he nich.“

Morgen geht es weiter mit einem Bericht von unserem Abendessen auf einem Markt an irgendeiner Straße in unserer Nähe. Für ganz wenige Baht natürlich. Ich will mich ja jetzt endlich integrieren.
Kassenbon, FriendshipFarang-Food, 9.9.13

Autor: admin Paul 1

Ich bin Paul. Seit dem Herbst 2013 lebe ich mit meiner Familie in Thailand - erst einmal auf Probe für unbestimmte Zeit. In meinem früheren Leben war ich Industriekaufmann, Student in England, Inhaber eines Schallplattenvertriebs für avantgardistische Rock-Musik, Inhaber einer Partnervermittlung, Lehrer im Knast (Justizvollzugsanstalt) in Bremen und in Düsseldorf, Berufschullehrer in verschiedenen Städten und bin jetzt im vorzeitigen Ruhestand. Und ich weiß aus Erfahrung, dass es mir im warmen Thailand gesundheitlich besser geht, als im oft kalten, dunklen und feuchten Deutschland. Folge mir auf meinem Weg in Süd-Ost-Asien.

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